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Die Geschichte der Taxidermie – vom ausgestopften Balg zur modernen Dermoplastik

Historische Fotografie: Carl Akeley arbeitet in seiner Werkstatt an einem lebensgroßen Elefantenpräparat

Kurz gesagt: Die Taxidermie begann als Versuch, Tiere für Naturalienkabinette haltbar zu machen. Mit der Arsenseife im 18. Jahrhundert wurden Präparate dauerhaft, im 19. Jahrhundert wurde das Ausstopfen zur Mode und zum Beruf, und Pioniere wie Carl Akeley machten daraus eine Kunst, die Anatomie, Bildhauerei und Naturbeobachtung verbindet.

Die Anfänge: Konservieren für die Sammlung

Schon die alten Ägypter mumifizierten Katzen, Ibisse und Krokodile – allerdings aus religiösen Gründen, nicht um ein lebendiges Aussehen zu bewahren. Die Wurzeln der Taxidermie liegen in den Wunderkammern und Naturalienkabinetten der Frühen Neuzeit. Sammler trockneten Vogelbälge, füllten Häute mit Kräutern, Stroh oder Werg und schützten sie mit Gewürzen und Salzen. Das Problem: Insekten fraßen die meisten dieser Präparate innerhalb weniger Jahre.

Arsenseife: der Durchbruch des 18. Jahrhunderts

Im 18. Jahrhundert entwickelte der französische Apotheker Jean-Baptiste Bécœur eine Seife mit Arsen, die Häute zuverlässig vor Schädlingen schützte. Sein Rezept blieb zunächst geheim und wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht – danach war Arsenseife über weit mehr als hundert Jahre das Standardmittel der Präparatoren. Deshalb ist bei antiken Präparaten noch heute Vorsicht geboten.

Das 19. Jahrhundert: Taxidermie wird Mode

Im 19. Jahrhundert explodierte die Nachfrage. Naturkundliche Museen wuchsen, Forschungsreisende brachten Tausende Bälge nach Europa, und das Bürgertum dekorierte seine Salons mit Vögeln unter Glasglocken und Fischen in Kästen. Auf der Weltausstellung 1851 in London sorgten die anthropomorphen Szenen des Stuttgarter Präparators Hermann Ploucquet für Aufsehen – Tiere in menschlichen Rollen, ein Stil, den der Engländer Walter Potter später berühmt machte. Große Werkstätten wie die von Rowland Ward in London lieferten Jagdtrophäen in alle Welt.

In Deutschland belieferten Lehrmittelhandlungen Schulen mit Präparaten für den Biologieunterricht; viele dieser Lehrsammlungen tauchen heute im Antikhandel auf.

Dermoplastik: vom Ausstopfen zum Modellieren

Die alten Stopfpräparate wirkten oft prall und unnatürlich, weil die Haut nur gefüllt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Präparatoren, den Körper des Tieres nachzubilden, bevor sie die Haut darüberzogen. In Deutschland propagierte Philipp Leopold Martin mit seinem Werk Die Praxis der Naturgeschichte das Arbeiten nach anatomischen Studien; Präparatoren wie Herman ter Meer in Leipzig perfektionierten um 1900 die Dermoplastik mit modellierten Körpern.

Carl Akeley und das Diorama

In den USA revolutionierte Carl Akeley (1864–1926) das Handwerk. Er modellierte die Körper großer Säugetiere als Skulpturen mit Muskulatur, formte sie in leichten Hohlkörpern ab und zog die gegerbte Haut darüber – so entstanden lebensgroße Elefanten, Gorillas und Antilopen von nie gesehener Lebendigkeit. Das Coverfoto zeigt ihn bei der Arbeit an einem Elefantenpräparat. Akeley prägte außerdem das Diorama: Tiergruppen vor gemaltem Landschaftshintergrund, wie man sie bis heute in Naturkundemuseen sieht.

Das 20. Jahrhundert: neue Materialien, neue Regeln

Im Laufe des 20. Jahrhunderts ersetzten Kunststoffe viele traditionelle Materialien: Polyurethan-Körper, Epoxidharz für die Gesichtspartien, Glasaugen in allen Größen und Farben. Die Gefriertrocknung ermöglichte neue Verfahren für kleine Tiere. Gleichzeitig veränderte der Artenschutz das Handwerk grundlegend: Mit CITES (1973), der EU-Artenschutzverordnung und nationalen Gesetzen wurde die Herkunft jedes Tieres zu einer zentralen Frage – mehr dazu in Tierpräparate legal kaufen.

Taxidermie heute

Heute ist Taxidermie ein anspruchsvolles Kunsthandwerk mit Ausbildung, Fachverbänden und internationalen Wettbewerben, auf denen Präparatorinnen und Präparatoren ihre Arbeiten bewerten lassen. Museen setzen Präparate für Forschung und Bildung ein, und im Interieur erlebt das Naturkabinett eine Renaissance. Wie ein Präparat heute entsteht, zeigt Tierpräparation: Wie entsteht ein Präparat?, die Techniken im Vergleich der Präparationstechniken.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es Taxidermie?

Tiere wurden schon im alten Ägypten konserviert, allerdings als Mumien. Die Taxidermie im heutigen Sinn – Haut über einem Körper – entwickelte sich ab dem 16. und 17. Jahrhundert mit den Naturalienkabinetten und wurde im 19. Jahrhundert zum eigenen Handwerk.

Wer hat die moderne Taxidermie erfunden?

Es gibt nicht den einen Erfinder. Wichtige Schritte waren die Arsenseife im 18. Jahrhundert, die Dermoplastik deutscher und niederländischer Präparatoren im 19. Jahrhundert und die Methoden des Amerikaners Carl Akeley, der anatomisch modellierte Körper und lebensnahe Dioramen populär machte.

Warum heißt es „ausgestopft“?

Weil Tierhäute früher tatsächlich mit Stroh, Werg oder Holzwolle ausgestopft wurden. Moderne Präparate entstehen anders: Die gegerbte Haut wird über einen modellierten Körper gezogen.

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Fotos: LoKiLeCh, CC BY 3.0 · Unknown author Unknown author, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons