Tierpräparation – wie ein Tierpräparat entsteht, vom Abbalgen bis zum fertigen Stück
Foto: Christian Nitard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kurz gesagt: Ein modernes Tierpräparat entsteht in acht Schritten: Erfassen, Abbalgen, Gerben, Körperbau, Aufziehen und Nähen, Modellieren der Gesichtspartien, Trocknen, Kolorieren und Sockel. Vom Tier bleiben dabei vor allem Haut, Fell oder Federn – der Körper darunter ist ein anatomisch genaues Modell.
1. Erfassen und dokumentieren
Bevor ein Präparator ein Tier anfasst, misst er es: Körperlänge, Umfang an Hals, Brust und Bauch, Abstand der Augen, Ohrenlänge. Er fotografiert Gesicht, Augen und Farben der nackten Hautpartien, die beim Trocknen verblassen. Bei geschützten Arten trägt er das Tier mit Herkunft und Dokumenten in sein Aufnahmebuch ein – in Deutschland Pflicht nach der Bundesartenschutzverordnung.
2. Abbalgen
Beim Abbalgen wird die Haut mit einem Schnitt – meist am Rücken oder Bauch, bei Schulterpräparaten am Nacken – vom Körper gelöst. Ohren werden umgestülpt, Lider, Lippen und Nase besonders fein ausgelöst, denn hier entscheidet sich später der Ausdruck. Fett- und Fleischreste werden sorgfältig entfernt („Falzen“ bzw. „Schärfen“ der Haut).
3. Gerben und Konservieren
Die Haut von Säugetieren wird gegerbt, damit sie dauerhaft weich und haltbar bleibt und nicht verrottet: Nach einem sauren Bad (Pickel) folgen Gerbmittel und eine Fettung. Vogelhäute werden meist nicht gegerbt, sondern entfettet und mit Konservierungsmitteln behandelt. Früher kam dabei Arsenseife zum Einsatz, heute werden weniger giftige Mittel verwendet.
4. Den Körper bauen
Das Herzstück jeder Dermoplastik ist der Körper:
- Für viele Säugetiere gibt es Polyurethan-Körper in verschiedenen Größen und Posen, die der Präparator an die Maße seines Tieres anpasst – schleifen, aufbauen, Muskeln herausarbeiten.
- Für ungewöhnliche Posen, seltene Arten oder Wettbewerbsarbeiten wird der Körper frei modelliert, etwa aus Ton, und anschließend abgeformt – so wie auf dem Coverfoto, wo ein Präparator einen Bärenkörper modelliert.
- Vögel erhalten oft einen gewickelten Körper aus Holzwolle oder einen geschnitzten Schaumkörper, durch den Drähte für Beine, Flügel und Hals laufen.
5. Augen setzen, aufziehen und nähen
Die passenden Glasaugen werden ausgewählt – in Größe, Pupillenform und Irisfarbe der Art entsprechend – und in den Körper gesetzt. Dann wird die Haut über den Körper gezogen, angepasst und mit feinen Stichen vernäht. Ein guter Präparator legt die Naht so, dass sie im Fell oder Gefieder verschwindet.
6. Modellieren: Gesicht und Details
Jetzt entsteht der Ausdruck: Lider, Tränenkanal, Nasenspiegel und Lippen werden mit Modelliermasse unter der Haut geformt; Ohren erhalten Einlagen, damit sie ihre Form halten. Das Fell wird gekämmt, Federn werden Feld für Feld geordnet und mit Nadeln und Bändern fixiert.
7. Trocknen
Ein Präparat trocknet Wochen, große Stücke länger. In dieser Zeit kontrolliert der Präparator immer wieder, ob Lider, Lippen und Ohren in Form bleiben, und korrigiert nach.
8. Kolorieren, Sockel, Abschluss
Nackte Hautstellen – Nase, Lider, Schnabel, Füße – verlieren beim Trocknen ihre Farbe und werden mit feinem Pinsel oder Airbrush nachkoloriert. Zum Schluss wird das Präparat auf einen Sockel, einen Ast, eine Naturszene oder ein Wandschild montiert.
Wie lange dauert das?
| Präparat | reine Arbeitszeit (grob) | mit Gerbung und Trocknung |
|---|---|---|
| kleiner Vogel | einige Stunden | 2–4 Wochen |
| Fuchs, Ganzpräparat | ein bis mehrere Tage | 1–3 Monate |
| Rehbock, Schulterpräparat | ein bis zwei Tage | 1–3 Monate |
| großes Säugetier | mehrere Tage bis Wochen | mehrere Monate |
Deshalb sind Wartezeiten bei Präparatoren oft lang – und deshalb kosten gute Präparate, was sie kosten: Was kostet ein Tierpräparat?
Der Beruf des Präparators
Präparatorinnen und Präparatoren arbeiten in Museen, Universitäten, zoologischen Gärten und in eigenen Werkstätten. Sie brauchen anatomisches Wissen, bildhauerisches Können und Geduld. Ihr Können messen sie auf Wettbewerben wie nationalen und europäischen Präparatorenmeisterschaften. Eine Übersicht über die verschiedenen Verfahren bietet der Vergleich der Präparationstechniken, die Entwicklung des Handwerks die Geschichte der Taxidermie.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, ein Tier zu präparieren?
Die reine Arbeitszeit reicht von einigen Stunden für einen kleinen Vogel bis zu mehreren Tagen oder Wochen für große Säugetiere. Hinzu kommen Gerbung und Trocknung; bei Auftragsarbeiten sind Wartezeiten von drei bis zwölf Monaten üblich.
Wird bei einem Präparat das ganze Tier verwendet?
Nein. Bei der Dermoplastik bleiben nur Haut mit Fell oder Federn, bei Säugetieren oft Hörner, Geweih oder Krallen. Körper, Augen und häufig auch Zunge und Nase sind künstlich nachgebildet.
Wie wird man Präparator?
In Deutschland über eine schulische Ausbildung zum Präparationstechnischen Assistenten bzw. Biologischen oder Zoologischen Präparator, über Ausbildungsplätze an Museen oder über eine handwerkliche Lehre bei einem Tierpräparator. Viele Präparatoren bilden sich zudem bei Wettbewerben und Workshops weiter.